Achter- oder Mittelcockpit – welches Konzept ist beim Fahrtensegeln das Beste?

Zu den größten Entscheidungen beim Kauf einer Segelyacht gehört die Wahl der Anordnung des Cockpits, denn hier verbringen wir einen Großteil unserer Zeit, ob vor Anker oder auf See. Dabei beeinflusst die Position des Cockpits nicht nur das Deckslayout, sondern auch die Aufteilung des Wohnraums unter Deck.

Ein Cockpit, das nicht zu Ihren Segelgewohnheiten passt, kann Ihnen viel Freude am Schiff nehmen. Die Wahl besteht meist zwischen zwei Arten: dem Achter- und dem Mittelcockpit.

Es ist hilfreich sich vor der Auswahl mit beiden Konzepten zu befassen, doch es gibt auch Ausnahmen von der Norm, wie etwa bei uns. Bei Sirius-Yachts lösen wir manche Dinge lieber auf unsere ganz eigene Weise, um Ihnen den größtmöglichen Komfort an Bord bieten zu können. In diesem Artikel schauen wir uns die Vor- und Nachteile beider Arten von Cockpits an und zeigen auf, wie unsere speziell entworfenen Achtercockpits die wichtigsten Vorteile beider Konzepte vereinen.

Vorteile von Mittelcockpits

Wenn wir in diesem Artikel über Mittelcockpityachten sprechen, dann reden wir von modernen Varianten, bei denen sich das Cockpit erhöht und annähernd auf Deckshöhe befindet – anders als bei früheren, klassischen Entwürfen, bei denen das Cockpit einfach ein Stück nach vorne verlegt war mit einer separaten und komplett vom Salon abgetrennten Achterkajüte im Heck.

Separierte Eignerkabine

Auf einer Mittelcockpityacht befindet sich die große Eignerkabine üblicherweise im Heck und bietet deshalb etwas mehr Privatsphäre von den vorn im Schiff untergebrachten Gästen oder der Crew. Meist verfügen die Achterkabinen zudem über ein eigenes Badezimmer oder ermöglichen Platz für eine besonders große Backskiste.

Full-beam aft cabin
Einer der Hauptgründe für die Wahl einer Mittelcockpityacht ist die großzügige Achterkabine, die sich über die gesamte Breite des Hecks erstreckt

Großer Maschinenraum

Mittelcockpityachten verfügen meist über einen großen Maschinenraum unter dem Cockpitboden mit reichlich Platz für zusätzliche Aggregate wie beispielsweise einen Generator. Häufig ist die Maschine durch Wartungsklappen von allen Seiten gut zugänglich.

Sicheres Abstützen in der Pantry

Die Pantry ist in diesem Layout meist in dem schmalen Durchgang unter dem Cockpitsüll untergebracht. Hier sind die Schiffsbewegungen zwar angenehm und bei rauer See kann sich die Crew beim Kochen gut abstützen - andererseits fühlt sich dieser Raum aber auch ziemlich beengt an, man kommt kaum aneinander vorbei und auch die Belüftung ist selten optimal.

Low narrow galley
Die niedrige, schmale Pantry ist auf See sicher zu nutzen

Weniger Last auf der Großschot

Ein Mittelcockpit ermöglicht ein Deckslayout, bei dem die Großschot von der Baumnock direkt auf einen Traveller auf dem Achterdeck läuft. So wirkt die Schot mit einem maximalen Hebelarm. Der Traveller mit der Schot ist vom Steuerstand aus direkt erreichbar, was vor allem für Einhandsegler oder kleine Crews von Vorteil ist. Beim Segeln mit voller Besatzung kann diese Art der Schotführung hingegen hinderlich sein, da die Schot nicht von den anderen Crewmitgliedern erreichbar ist. Zusätzlich besteht Gefahr, dass der Steuermann unerwartet von hinten von der Schot getroffen wird.

Nachteile von Mittelcockpits

Auf Yachten unter zwölf Metern geht das Mittelcockpit-Konzept häufig nicht auf, weil die Proportionen nicht stimmen. Um beispielsweise Stehhöhe unter den Cockpitduchten zu schaffen, muss das Cockpit angehoben werden, wodurch das Schiff im Allgemeinen sehr hochbordig wird und wenig elegant aussieht. Außerdem verlagert das hohe Cockpit auch den Gewichtsschwerpunkt merklich nach oben, was für das aufrichtende Moment und die Stabilität kontraproduktiv ist. Damit die Crew im Cockpit aufrecht stehen kann, muss auch der Baum höher angeschlagen sein, folglich das Großsegel kleiner ausfallen, um nicht den Segeldruckpunkt ebenfalls nach oben zu verlegen. Wer sich also für ein Mittelcockpit entscheidet, wird bei einigen Yachten zugleich einige Abstriche bei den Segeleigenschaften in Kauf nehmen müssen.

Unangenehmes Empfinden im Cockpit

Unabhängig von der Größe einer Yacht werden Rollbewegungen von der Besatzung durch die Höhe eines Mittelcockpits über der Wasserlinie, und damit über dem vertikalen Schwerpunkt des Auftriebs, verstärkt wahrgenommen. Ein unsicheres und exponiertes Gefühl kann Sorgen bereiten und Crewmitglieder, die ohnehin zur Seekrankheit neigen, zusätzlich beanspruchen. Dem gegenüber steht, dass bei einem Mittelcockpit die Stampfbewegungen der Yacht weniger drastisch erscheinen.

Flaches Cockpit, niedriges Süll

Um das Schiff nicht zu hochbordig wirken zu lassen und die unangenehmen Rollbewegungen nicht noch weiter zu verstärken, sind die Sitzhöhen der Cockpitduchten und die Süllränder bei Mittelcockpits tendenziell flacher gehalten als bei Achtercockpits. Das macht sie weniger sicher und bietet der Besatzung weniger Schutz und Rückenunterstützung. Häufig ist der Süllrand sehr breit, um darunter genügend Raum für den Durchgang zu schaffen. Dann kann es jedoch umständlich sein, aus dem Mittelcockpit auf das Seitendeck zu gelangen, das oft deutlich niedriger liegt als die Cockpitduchten.

Low cockpit coamings
Ein niedriges Cockpitsüll bietet keinen guten Halt für den Rücken

Toter Winkel vom Rad aus

Von einem höher gelegenen Mittelcockpit aus kann man zwar theoretisch auch weiter sehen, aber aufgrund der erhöhten Position ist die Sicht unter dem Vorsegel hindurch stark eingeschränkt. Das ist der Grund, warum viele Yachten mit Mittelcockpit einen hochgeschnittenen Yankee statt einer leistungsstärkeren und effizienteren Genua fahren.

Mehr Spritzwasser im Gesicht

Die Vermutung liegt nah, dass es sich in einem Mittelcockpit durch die zusätzliche Höhe trockener als in einem Achtercockpit segelt. Das mag zwar im Ansatz richtig sein, jedoch liegt das Mittelcockpit auch deutlich näher am Bug - dem Bereich des Bootes, an dem am meisten Spritzwasser überkommt.

Klein und schmal

Mittelcockpits sind schmaler und kleiner als Achtercockpits. Für kleine Crews und Paare ist das völlig in Ordnung, aber schon mit vier Personen kann es darin eng werden, mit sechs Crewmitgliedern sogar geradezu hinderlich.

Hafenmanöver mit kleiner Crew

Es ist richtig, dass man bei Hafenmanövern aus einem Mittelcockpit heraus einen besseren Überblick über das Boot besitzt - aber wie händeln Sie die Leinen bei Hafenmänövern, wenn Sie ganz allein an Bord sind?

Dann sind die Klampen an Bug und Heck für den Steuermann maximal weit entfernt und selbst die Mittschiffsklampen an der breitesten Stelle der Yacht unerreichbar. Um eine Mittelcockpityacht anzulegen, muss sich der Skipper ausschließlich auf seine Crew verlassen. Sind Sie zu zweit unterwegs, muss ihr Partner überall gleichzeitig sein und einen Sprint zwischen Bug und Heck hinlegen. Auf einer Yacht mit Achtercockpit hingegen kann sich Ihr Partner völlig auf die Bugleinen konzentrieren, während Sie die Heckleinen bedienen oder das Schiff am Steg so lange in Position halten, bis Sie sicher den Steuerstand verlassen und über das Heck auf den Steg steigen können. Beim Ablegen können Sie die Achterleinen selbst loswerfen. Die meisten Sirius Yachten besitzen zusätzlich achterliche Springklampen genau vor dem Cockpit, die sich gerade in Reichweite des Rudergängers befinden.

Weniger Stauraum

Bei einer Mittelcockpityacht befinden sich unter den Sitzbänken im Cockpit keine oder nur flache Backskisten, weil ansonsten unter Deck die Stehhöhe beeinträchtigt würde. Stattdessen besitzen solche Boote im Heck häufig zwei Staukästen, die allerdings sehr knapp bemessen sind und sich zudem nahe dem Kopfende der Achterkabine befinden. Wer eine Nachtfahrt macht und in der Achterkabine schlafen will, wird dann die ganze Nacht Geräusche von nicht fest verstauten und klappernden Gegenständen hören.

Klatschende Geräusche unter dem Heck

Die meisten modernen Yachten haben ein breites Heck mit einem geraden Spiegelansatz direkt über der Wasserlinie. Im Hafen führt diese Konstruktionsart zu Wellenschlag - einem Geräusch, das selbst unter ruhigen Bedingungen durch Schwell oder kleine Wellen verursacht wird, wenn die Wellen unter dem Heck hindurchlaufen. Da es keinen Ort gibt, um ihre Energie loszuwerden, schlagen die Wellen mit einem dumpfen Klatschen oder sehr deutlichen Schmatzgeräusch unter den Rumpf. Auf einer Mittelcockpityacht ist die Eignerkabine im Heck untergebracht und Ihr Bett befindet sich damit direkt über der Quelle dieses Lärms. Viele Eigner empfinden diese Kabine daher zum Schlafen als völlig ungeeignet.

Waves hitting the stern can disturb sleep
Wellenschlag unter dem Heck kann in Achterkabinen zu schlaflosen Nächten führen

Ein tiefer Abstieg an Land … und eine Kletterpartie zurück an Bord

Der hohe Rumpf einer Mittelcockpityacht schafft zwar viel Platz unter Deck, hat aber zugleich einen wesentlichen Nachteil beim Festmachen in einer typischen Marina mit Schwimmstegen. Denn die Stegklampen sind dann derart weit entfernt, dass sie von Deck aus kaum zu erreichen sind, ohne vorher eine Leiter zu montieren. Bei einer Yacht mit Achtercockpit hingegen genügt meist ein Griff ins Want, um sich über die Reling und hinunter auf den Steg zu schwingen. Das gleiche Problem mit der Höhe stellt sich auch beim Aufnehmen einer Muringboje: Ist an der Muring keine Schwimmleine befestigt, dann muss die Crew auf dem Bauch liegend mit dem Bootshaken sehr weit nach unten angeln, um die Boje zu erwischen. Gerade für weniger bewegliche oder unerfahrene Mitsegler kann dies eine große oder auch gefährliche Herausforderung sein.

High topsides
Ein hohes Freibord bedeutet zugleich, dass beim Beladen der Yacht alle Gegenstände zunächst zum Cockpit hinaufgereicht werden müssen und dann wieder hinunter in den Salon

Gepäck und Ausrüstung an Bord zu bringen oder den Einkauf vom Steg bis in die Pantry unter Deck zu schaffen, ist deutlich aufwändiger, weil alles erst einmal hinauf aufs Deck gereicht werden muss, dann anschließend wieder abwärts in den Salon. Die Niedergangstreppe einer Mittelcockpityacht ist immer länger und meist auch steiler als bei einer Yacht mit Achtercockpit, bei der die Taschen vom Steg aus häufig direkt ins Cockpit gereicht werden können.

Weniger Gefühl beim Steuern

Der Steuerstand einer Mittelcockpityacht ist weit vom Ruderquadranten entfernt. Einige Hersteller verwenden daher eine hydraulische Steuerung, um eine lange und komplexe mechanische Verbindung zu vermeiden. Das hat jedoch den Nachteil, dass man am Rad keinerlei Gefühl mehr für das Ruder bekommt, keine Rückmeldung durch den Ruderdruck und ob das Boot gut getrimmt ist. Andere Werften verwenden Kettenübertragungen, Seile oder auch Direktverbindungen durch Schubstangen und Gelenke. Diese geben dann zwar ein besseres Gefühl für den Ruderdruck weiter - aber jede zusätzliche Verbindung bringt auch mehr Spiel ins System.

Notsteuerung im Blindflug

Was passiert, wenn das Steuersystem beschädigt ist oder ausfällt? Auf einigen Mittelcockpityachten wird die Notpinne dann auf dem Achterdeck eingesteckt - auf anderen Yachten hingegen wird sie unter Deck in der Achterkabine montiert. Auf dem Achterdeck ist der Steuermann völlig ungeschützt mit wenig Sicht nach vorn, außerdem weit von den Instrumenten, der Segel- und Motorbedienung entfernt. In der Achterkajüte hingegen steht man vollkommen geschützt, sieht aber überhaupt nicht mehr, wohin man steuert. Glücklicherweise greifen heutige Autopilotsysteme für gewöhnlich direkt am Quadranten an, weshalb beim Ausfall der Steuerübertragung der Autopilot an der Steuersäule weiterhin funktioniert.

Vorteile von Achtercockpits

Das Achtercockpit ist bei weitem die gängigste Lösung bei Yachten unter 40 Fuß und es gibt viele gute Gründe dafür.

Aft cockpit yacht
Das Achtercockpit hat sich bei Yachten durchgesetzt - und das aus gutem Grund

Mehr Kabinen

Konventionelle Achtercockpits sind auf modernen Yachten oft hoch genug positioniert, um eine Aufteilung mit zwei achtern gelegenen Kabinen zu ermöglichen. Das ist ideal für eine große Familie und ein Vorteil für Charterer, die mehr Freunde mitbringen und dadurch die Kosten reduzieren können. Das geht allerdings auf Kosten des Stauraums, der im Cockpit oft auf ein paar flache Backskisten und ein Rettungsinsel-Schapp unter den Füßen des Steuermanns reduziert ist. Zwar sitzt man im Cockpit trotzdem noch recht hoch, aber keine der Kabinen darunter ist besonders komfortabel.

Größerer Salon

Durch die Verwendung von abklappbaren Heckspiegeln und der damit verbundenen Möglichkeit, den Lebensraum im Hafen und vor Anker zu erweitern, konnten viele Hersteller das Cockpit noch weiter nach achtern verlegen, um mehr Platz im Innenraum zu schaffen. Der Salon wird durch diese Anordnung verlängert und die Pantry mehr ins Zentrum gerückt. Ein häufig beworbener Vorteil – und viele Kunden schätzen solch ein Layout auch. Für den Hersteller liegt der größte Nutzen eines großen, leeren Raumes allerdings in den geringen Herstellungskosten.

Spacious saloon
Wenn die Kabinen und das Cockpit weit achtern angeordnet sind, kann der Salon großzügig und offen gestaltet werden

Besserer Zugang

Die in der Regel niedrigere Bordwand einer Achtercockpityacht erleichtert das An-Bord-Kommen ungemein und macht auch das Herübereichen großer und schwerer Gepäck- oder Ausrüstungsgegenstände einfacher. Liegt man mit dem Heck zum Steg, dann ermöglicht ein heruntergeklappter Spiegel einen besonders einfachen Zugang an Bord und ein Doppelsteuerstand schafft einen freien Weg zum Niedergang, von dem aus wenige Stufen in den Salon führen. Allerdings gibt es bei ausklappbaren Spiegeln und Doppelsteuerständen auch einige gravierende Nachteile, zu denen wir später noch kommen.

Low open transoms
Ein Heck mit einer niedrigen und offenen Badeplattform kann den Zugang zum Cockpit vom Beiboot oder Steg aus deutlich leichter machen

Nur für Tagestörns gedacht

Auf vielen Achtercockpityachten befindet sich die Eignerkabine ganz vorn im Bug. Eine komfortable Lösung, wenn nachts geankert oder ein Yachthafen angelaufen wird. Die Doppelkoje kann dann wie ein richtiges Bett aussehen, mit ausreichend viel Platz zum Ein- und Aussteigen auf beiden Seiten. Auch die Nachtruhe wird ganz vorn im Bug deutlich seltener durch klatschende Wellen, Geräusche von Generator, Heizung, Wasserpumpe oder dem Spülen der Toilette gestört. Auf Langstreckentörns ist die Anordnung der Eignerkabine im Bug jedoch alles andere als ideal. Wenn der Bug im Seegang auf die Wellen schlägt, dann lässt sich dort kaum Schlaf finden. Ohne Lee-Segel ist die Vorschiffskoje auf See kaum nutzbar.

Die Segel bestens im Blick

Je weiter achtern Sie sich befinden, desto besser ist Ihre Sicht auf das Großsegel. In einem Achtercockpit steuern Sie normalerweise von weiter außen der Mittschiffslinie, zum Beispiel bei einer Yacht mit Pinnenausleger, zwei Steuerrädern oder einer schwenkbaren Steuersäule. Von solch einer nach außen verlegten Steuerposition haben sie einen deutlich besseren Blick in den Trimm des Vorsegels.

A bimini can shade the crew
Eine Großschotführung auf dem Kajütdach halt das Cockpit frei von Leinen und ermöglicht ein Bimini als Schattenspender für die Crew

Auf den meisten Fahrtenyachten mit Achtercockpit sind die Großschot-Winschen und Klemmen sowohl für den Steuermann als auch für den Rest der Crew leicht erreichbar. Wenn ein sogenanntes „German-Mainsheet-System” installiert ist, wird die Großschot oft aus dem Cockpit auf das Kajütdach verlegt. Dies macht das Cockpit für alle sicherer und ermöglicht sogar die Installation eines Biminis, welches das ganze Cockpit abdeckt. Der Nachteil ist, dass Sie beim Trimmen der Schot erheblich mehr Kraft auf einen kleineren Hebelarm einsetzten müssen und der Baum leichter brechen kann.

Einfache Bedienung der Notpinne

Mit der Notpinne in der Nähe der normalen Steuerposition ist es viel einfacher, die Segel, Instrumente und die Umgebung zu überblicken. Auf einem Boot mit einem einzelnen Steuerrad müssen Sie möglicherweise die Notpinne nach hinten zeigend einstecken, um sie richtig nutzen zu können. Auf einem Boot mit zwei Steuerrädern befindet sich der Zugang zum Ruderschaft jedoch meist mittig zwischen den Rädern – oder alternativ an einem der Ruderschäfte an Backbord oder Steuerbord, falls das Boot über zwei Ruder verfügt.

Nachteile von Achtercockpits

Wie bereits erklärt, legen viele Hersteller das Cockpit so weit wie möglich nach achtern, um den Salon zu vergrößern. Dann aber sitzt der Steuermann quasi direkt auf dem Heck, was mehrere Nachteile birgt.

Unbequeme Stampfbewegungen

Wenn der Steuerstand extrem weit achtern ist, spürt der Steuermann dort die maximalen Stampfbewegungen des Bootes, die in rauer See sehr heftig werden können. Ein besonders breites Heck und Doppelsteuerstände verstärken diesen Effekt noch, da die Steuerperson dann nicht nur weit außenbords, sondern bei Lage auch noch deutlich höher ist.

Helm far from the centre of the yacht
Je weiter sich der Steuerstand vom Schwerpunkt des Schiffes entfernt befindet, desto heftiger werden die Bewegungen im Seegang empfunden

Mehr Gischt im Gesicht

Ganz im Heck der Yacht sitzt der Steuermann sehr exponiert und außerhalb jeglichen Schutzes durch die Sprayhood. Dabei wäre einen Meter weiter vorn eine deutlich geschütztere Position.

Wide beam and aft helm position
Breite Hecks und sehr weit achterlich angeordnete Steuerstände können ein unsicheres und ungeschütztes Gefühl erzeugen

Anlegen und An-Bord-Kommen

An einem hohen Steg oder einer hohen Pier kann es schwieriger sein, an Bord einer Yacht mit Achtercockpit zu kommen, da das Achterdeck oder der Cockpitboden sehr tief sind. Allerdings gibt es seit einiger Zeit auch den Trend, den Cockpitboden bei modernen Yachten anzuheben, um darunter mehr Raum für die Achterkabinen zu schaffen.

Fold-down transom
Auch wenn ein klappbarer Heckspiegel eine komfortable Badeplattform bietet, kann das Einsteigen vom Beiboot aus manchmal schwierig sein

Wer römisch-katholisch anlegt und sich rückwärts einem Steg nähert, wird meist ein Crewmitglied auf der heruntergeklappten Heckklappe stehen haben, um die Leinen zu überzugeben. Dort gibt es allerdings keine Möglichkeit, um sich festzuhalten - was besonders wichtig ist, wenn das Schiff mit einem kräftigen Schub voraus aufgestoppt wird.

Absturzgefahr

Viele moderne Segelyachten haben sehr breite Achtercockpits, die ein großartiges Platzangebot schaffen und daher für schönes Wetter und bei Charterunternehmen ohnehin sehr beliebt sind. Auch bei Regatten mit großer Crew ist ein geräumiges Cockpit von Vorteil. Doch zum Fahrtensegeln auf See ist ein schmales und geschütztes Cockpit viel sicherer und komfortabler. Ein fester Cockpittisch in der Mitte ist hilfreich, um sich festhalten oder abstützen zu können und erhöht die Sicherheit eines breiten Cockpits.

Mehr Kabinen als Sie brauchen

Zwei Achterkabinen bieten zwar viele Schlafplätze, aber ansonsten nur wenig Vorteile, wenn die zweite Kabine gar nicht oder nur sehr selten genutzt wird. Wer mit kleiner Crew oder als Paar unterwegs ist, kann diesen Raum wesentlich sinnvoller nutzen: als riesigen Stauraum, als Technikraum … oder einer Kombination aus beidem.

Smaller cabins are used less
Die Wahl von zwei Achterkabinen hat häufig zur Folge, dass die Kabinen etwas kleiner ausfallen und deshalb weniger genutzt werden

Die optimale lösung – das Sirius-konzept

Nachdem Sie nun über die Vor- und Nachteile beider Cockpitvarianten gelesen haben, stellen Sie sich vermutlich die Frage, welche die Richtige für Sie wäre. Ein Achtercockpit ist zwar sehr beliebt und auf vielen Yachten zu finden, aber sicher keine ideale Lösung. Zum einen muss das Cockpit immer noch hoch genug positioniert sein, um in den achtern gelegenen Kabinen ausreichend Platz zu schaffen – zum anderen muss der Motor bei dieser Lösung auf kleinem Raum unter dem Niedergang positioniert werden – ein Garant dafür, alle Bewohner beider achtern gelegener Kabinen gleichzeitig zu beeinträchtigen. Das Mittelcockpit wiederum bietet eine große Eignerkabine mit einem bequemen Doppelbett – doch durch die oben beschriebenen Wellengeräusche unter dem Heck ist die Geräuschkulisse dort nicht sehr angenehm. Auch der Zugang durch die Pantry ist wenig vorteilhaft.

Sirius Yachts cockpit design
Wir sind der Meinung, dass das Cockpitdesign der Sirius-Yachten die größten Vorteile von Achter- und Mittelcockpits vereint

Ideal platzierte Kabinen

Bei einer Sirius können wir auf Wunsch natürlich auch Achterkabinen einbauen - aber wir haben längst eine viel bessere Lösung gefunden: Die geräumige Suite im Bug ist perfekt für den Hafen und küstennahe Tagestörns, während die Mittschiffskabine den idealen Schlafplatz auf Übernacht- oder Ozeanpassagen darstellt. Sie verfügt über ein großes, nicht spitz zulaufendes Doppelbett, das so tief und nah wie möglich am vertikalen und horizontalen Schwerpunkt der Yacht liegt, was die Doppelkoje zugleich zum ruhigsten Ort an Bord macht.

Sirius Yachts - mid cabin
Die Mittelkabine befindet sich im ruhigsten Punkt des Schiffes und und bietet damit alle Vorraussetzungen für einen erholsamen Schlaf - weit weg von Ankergeräuschen oder Wellen, die an den Heckspiegel schlagen

Bei all unseren Modellen verfügen beide Kabinen entweder über einen direkten Zugang zum Bad oder sogar über ein eigenes Badezimmer. Beide Kabinen sind vom Maschinenraum und den technischen Bereich des Schiffes getrennt und befinden sich fernab des Lärms von Generator, Watermaker oder Wellenschlag im Heck. Genau genommen verfügt jede Sirius deshalb über zwei komfortable Eignerkabinen. Sollte einmal Bedarf für mehr Schlafplatz bestehen, dann kann durch das Absenken des Salontischs ein drittes komfortables Doppelbett im Salon geschaffen werden, das den Raum und die Laufwege im Schiff nicht beeinflusst.

Durch die beiden komfortablen Kabinen im Mittschiff und im Bug und den dadurch fehlenden Zwang, zusätzlich noch eine geräumige Achterkabine unterzubringen, konnten wir das Cockpit frei nach ergonomischen Gesichtspunkten gestalten, maximal tief platzieren und hohe Süllränder umsetzen. Dadurch wurde das Cockpit zu einem sehr geschützten Ort, ohne dass eine zusätzliche Windschutzscheibe oder gar eine Sprayhood erforderlich wäre. Mit der Freiheit, die Raumaufteilung ohne Achterkabine frei entscheiden zu können, haben wir das achtere Viertel des Rumpfes nach Sicherheits- und Segelgesichtspunkten gestaltet, etwa die Rumpflinien deutlich schlanker und so die Form des eingetauchten Rumpfes ausgewogener gehalten. Vor allem bei Krängung liegt das Schiff deshalb sehr viel ausbalancierter auf dem Ruder und segelt am Wind einfach besser. Es reduziert die Tendenz zum Rollen und Ausbrechen. Selbst ein Doppelruder ist kaum noch nötig.

Vorteile eines niedrigen Achtercockpits

Mit einem tiefen Cockpit und einem erhöhten Salonboden befinden sich alle Aufenthaltsorte auf einer Ebene: Sie können praktisch geradeaus vom Cockpit in den Salon spazieren, ohne umständlich über eine schmale Treppe „nach unten“ klettern zu müssen. Mit dem festen Teil der Badeplattform und dem Steuersitz noch dahinter ist der Steuerstand einer Sirius nicht extrem weit nach achtern gelegt, sodass die steuernde Person keine übermäßigen Schiffsbewegungen aushalten muss. Die einzige Möglichkeit noch weniger vom Stampfen und der Seebewegung zu spüren, wäre einfach im warmen, geschützten Salon Platz zu nehmen, jedoch ohne dabei den direkten Kontakt mit der Umgebung und den anderen Crewmitgliedern im Cockpit zu verlieren. Wer unterwegs an der langen, in Längsrichtung angeordneten Pantryzeile einen Tee oder Kaffee aufbrühen möchte, kann sich hier überall sicher abstützen. Der Rundumblick ermöglicht eine ständige Orientierung für alle Sinne und hilft dabei, Seekrankheit entgegen zu wirken.

Der Blick voraus

Die Sicht voraus ist auf einer Mittelcockpityacht unter Segeln häufig sehr eingeschränkt, auf einer typischen Achtercockpityacht hingegen schauen sie meist durch eine gebogene Scheibe, die die Sicht verzerrt, oder durch die verkratzten und blinden PVC-Scheiben einer Sprayhood.

Das ganze Konzept einer Sirius ist hingegen auf die Sichtachsen abgestimmt: Hinter dem Steuerrad auf einem leicht erhöhten Bereich stehend oder auf dem Süllrand sitzend ist es jedem Steuermann möglich, über das nur 1,40 Meter hohe Dach des Deckssalons zu schauen. Von den geschützten Cockpitbänken aus können Sie sogar direkt durch die Sicherheitsglasfenster des Deckssalons nach vorne und unter dem Vorsegel hindurchschauen. Wer nachts auf Wache ist oder vor rauhen Bedingungen im Salon Schutz sucht, hat von hier aus einen ungehinderten 360-Grad-Rundumblick. Da die Rümpfe und Hecks einer Sirius gemäßigt breit sind, besteht auch keine Notwendigkeit für zwei Steuerräder. Stattdessen montieren wir eine einzelne, aber schwenkbare Steuersäule, um Ihnen eine noch entspanntere Sitzposition auf dem Süllrand und eine bessere Sicht nach vorne und in die Segel zu ermöglichen. Gleichzeitig sorgt die klappbare Steuersäule für einen freien Durchgang vom der Badeplattform bis in den Salon – schwenken Sie das Rad einfach zur Seite.

Sirius Yachts - a good view forward
Gute Sicht nach vorn ist jederzeit gegeben - entweder über das Deckshaus, seitlich dran vorbei oder durch die Fenster

Heckstufen und Badeplattformen

Sowohl auf der 40 DS als auch auf der 35 DS befindet sich im Heckspiegel eine kleine Tür, um den Durchstieg vom Cockpit auf die Badeplattform zu erleichtern. Ganz gleich, wie hoch der Steg oder die Pier ist, an der das Schiff mit dem Heck liegt – es ist immer möglich, ohne Anstrengungen an Land zu gelangen. Die Sirius 40 DS verfügt zusätzlich über eine große, klappbare Badeplattform. Doch auch wenn die Plattform hochgeklappt ist, erleichtert eine kleine, feste Stufe im Heck das An-Bord-Kommen. So bleibt beim Anlegen mehr Platz für Fender und es besteht eine geringere Gefahr die Plattform oder den Klappmechanismus zu beschädigen, sollte das Boot beim Anlegen mit dem Heck den Steg berühren.

Sirius Yachts - transom door
Sowohl unsere 40 DS als auch die 35 DS verfügen über eine Tür im Heckspiegel, die den Durchstieg auf die Badeplattform und an Land ohne Anstrengungen möglich macht

Mit der achterlichen Steuerposition befinden sich bei Hafenmanövern die achteren Festmacher- und hinteren Springklampen in direkter Reichweite des Rudergängers – und bei kleiner Crew ist es ein Leichtes, mit den Leinen in der Hand und dem direkten Ausstieg am Heck an Land zu steigen und die Achterleinen selbst zu belegen. Die seitlichen Heckkorbsitze dienen beim Schritt von Bord als sichere Handläufe. Die Badeplattform vergrößert und öffnet das Cockpit, erweitert den Lebensraum vom Salon bis zum Heck – ein Pluspunkt im Hafen, am Ankerplatz sogar eine großartige Bereicherung. Mit dem Salon, dem Cockpitboden und der Heckplattform praktisch auf demselben Höhenniveau ist der Weg in und aus dem Schiff nahezu barrierefrei.

Die richtige Größe für sicheres Segeln

Unsere Cockpits sind länger und auch etwas breiter als die der meisten Mittelcockpityachten - aber auch nicht so breit, dass Sie sich beim Segeln nicht mehr sicher darin bewegen könnten. Das rundumlaufende, hohe Süll gibt Schutz und ist ergonomisch optimiert, sodass sich überall im Cockpit bequeme Anlehnmöglichkeiten bieten. Außerdem finden Sie viele Handläufe und Griffmöglichkeiten im und um das Cockpit, sodass Sie sich nicht an einer Schot oder ihren Mitseglern festhalten müssen, wenn Sie sich darin bewegen oder ans Ruder wollen. Eingerahmt von den Heckkörben, dem Geräteträger und der festen Reling vermittelt das gemäßigt breite Cockpit im Heck ein sicheres Gefühl. Die feste Reling aus einem stabilen Edelstahlrohr ist nicht nur angenehm, um sich beim Sitzen auf dem Süll daran anzulehnen, sondern sie bietet auch einen guten Halt im Stehen und außerhalb des Cockpits. Alle Sitzplätze sind nach ergonomischen Gesichtspunkten optimiert. Auf der 35 DS sind die Bänke durchgehend über zwei Meter und auf der 40 DS sogar 2,45 Meter lang.

Die richtige Wahl des Cockpit-Konzepts ist wichtig - denn im Gegensatz zur Motorisierung, der Besegelung oder der Farbe der Salonpolster lässt das Cockpit nicht mehr ändern, nachdem man sich erst einmal für ein Boot entscheiden hat.